Mittwoch, 1. Juni 2016

"Bevor ich jetzt gehe" von Paul Kalanithi - Rezension

"Bevor ich jetzt gehe" ist der berührende Roman des Neurochirurgen Paul Kalanithi. Der Mediziner lebte für seine Patienten und hätte sich wohl nicht gedacht, dass er so schnell selbst Patient wird. Seine Diagnose: Krebs. Welche Auswirkungen diese Diagnose auf sein Leben und das seiner Frau hat, erfahrt ihr in diesem wundervollen und emotionalen Roman.

Verlag: Knaus Verlag Seitenanzahl: 188 Seiten ISBN: 978-3-8135-0725-6 Erscheinungsdatum: 11.04.2016
Originaltitel: 
When Breath Becomes Air ÜbersetzerIn: Gaby Wurster

Ich muss vorneweg sagen, dass es mir unfassbar schwer fällt, dieses Buch in angemessene Worte zu verpacken. Paul Kalanithi beschreibt nicht irgendeine Krankheitsgeschichte, sondern seine eigene. Er verarbeitet seine Erlebnisse und Gefühle auf eine so inspirierende und gefühlvolle Art und Weise, wie ich es bisher selten gelesen habe. Ich war von der ersten Seite an bei Paul und habe seine Geschichte in einem Rutsch gelesen, weil ich mich nicht von seinen Worten lösen konnte. 

Mit diesem Buch muss man sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle einstellen. Zu Beginn erfahren wir, wie es um ihn steht und machen anschließend einen Sprung zu seinen beruflichen Anfängen. Im Kapitel "Der Arzt" berichtet Paul von seiner Leidenschaft für englische Literatur und Philosophie. Er hat ein ganz besonderes Talent seine Schicksalsgeschichte in Worte zu packen, die auf der einen Seite unglaublich berühren und traurig machen und auf der anderen Seite seinen Willen widerspiegeln. Paul entschließt sich nach seinem Studium der Literatur und Biologie für ein Medizinstudium. Die Beziehung zu seinen Patienten war ihm in seiner Karriere als Arzt immer besonders wichtig.

"Ich hatte Angst, mich zu einem Tolstoischen Stereotyp eines Arztes zu entwickeln, einem Arzt, der sich nur mit hohlen Formalitäten beschäftigte, eine Krankheit bloß routinemäßig behandelte und dabei den Menschen vollkommen übersah." - Seite 77

Im darauffolgenden Kapitel "Der Patient" steht Paul plötzlich auf der anderen Seite und muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, nun selbst Patient zu sein. Er beschreibt, wie er und seine Frau Lucy mit der Situation umgegangen sind und wie er sein Leben von nun an in Angriff nehmen möchte. Weiter als Arzt praktizieren oder doch lieber einen Roman schreiben? Er beschreibt auf eindrucksvolle Weise, wie er mit seiner verbleibenden Zeit umgehen möchte und das er allmählich realisiert, was im Leben wirklich wichtig ist. 

"Doch eine der grausamen Begleiterscheinungen von Krebs ist nicht nur, dass er die Zeit begrenzt, sondern auch die Energie, und damit reduziert er das Pensum, das man in einen Tag pressen kann, beträchtlich." -Seite 163 

Mich hat dieser Roman nicht nur emotional berührt, sondern zudem zum sehr Nachdenken gebracht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Wie will man seine verbleibende Zeit verbringen und vor allem mit wem? Paul wusste nicht, wie viel Zeit ihm wirklich noch bleibt, er wusste nur, dass es nicht genug ist. Während dem Schreibprozess an "Bevor ich jetzt gehe" ist Paul verstorben. Seine Frau Lucy hat im Nachwort ihre Perspektive seiner letzten Momente dargestellt auf gebührende Weise beendet.

Es fällt mir wirklich nicht leicht dieses Buch in Worte zu fassen, denn es hat mich sprachlos gemacht. Ich bin wirklich froh, dieses Buch gelesen haben zu dürfen und kann es nur jedem ans Herz legen.  

Wenn ihr noch mehr über Paul Kalanithi erfahren wollt, dann schaut euch doch diese Artikel von Paul Kalanithi an: How long have I got left? | Before I go

Einen herzlichen Dank an den Knaus Verlag für dieses Rezensionsexemplar!  

Kommentare:

  1. Ich stehe "solchen Büchern" immer etwas zwiegespalten gegenüber. Einerseits finde ich es wichtig, auch solch elementare Fragestellungen zu behandeln, andererseits nimmt mich das Lesen von Romanen zum Thema Krebs aufgrund privater Erfahrungen immer sehr mit und tut mir nicht gut, weswegen ich das Thema in der Literatur eher meide. Hast du mal "Mitten ins Gesicht" von Kluun gelesen? Das habe ich in der Schulzeit gelesen, aber es ist mir bis jetzt im Gedächtnis geblieben. Vielleicht wäre das auch etwas für dich.
    Viele Grüße!

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    1. Es tut mir leid, dass du private Erfahrungen mit dieser Krankheit machen musstest. Da ist es sehr gut nachzuvollziehen, dass diese Art Buch mit dieser schwierigen Thematik nichts für dich ist. "Mitten ins Gesicht" habe ich nicht gelesen, werde es mir aber näher anschauen:) Danke für den Tipp!
      Liebe Grüße,
      Stephie

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