Mittwoch, 9. März 2016

"Das Leben der Florence Gordon" von Brian Morton | Rezension

Sie steht für sich und für andere ein, hat einen starken Willen und ist ein wahnsinniger Dickkopf. Florence Gordon ist 75 Jahre alt, eine New Yorker Intellektuelle und hat in ihrem Leben schon vieles erreicht. Schon nach einem ersten Blick auf das Cover und den Klappentext wollte ich mehr über diese Frau und ihr Leben erfahren.

Verlag: Insel Verlag Seitenanzahl: 334 Seiten ISBN: 978-3-458-17649-7 Erscheinungsdatum: 08.02.2016
Originaltitel: Florence Gordon Übersetzerin: Gesine Schröder Bewertung: ★★★★☆


Inhalt | "Drei eigenwillige Frauen aus drei Generationen: Florence Gordon, New Yorker Intellektuelle und seit Jahrzehnten glühende Feministin, ist unverblümt, eitel, stolz – und eine ziemliche Kratzbürste, die fünfundsiebzig Jahre lang so gelebt hat, wie es ihr gefiel. Sie braucht keine Gesellschaft, die sie ohnehin nur von der Arbeit abhalten würde, und als nun ihr Sohn Dan mit seiner Frau Janine und der halbwüchsigen Tochter Emily nach New York kommt, passt ihr das gar nicht. Emily hingegen sucht die Nähe zu Florence, gerade jetzt, wo sie sich von ihrem Freund getrennt hat – und nun auch noch die Ehe ihrer Eltern ins Wanken gerät. Ganz wie ihre Großmutter ist sie beharrlich und kämpferisch. Das gefällt Florence, und vielleicht kann sie Emily an sich heranlassen, eigentlich könnte sie ein wenig Hilfe auch gut gebrauchen – wenn da nur nicht ihr Stolz wäre …" (Klappentext: Insel Verlag)

Einstieg | Als ich den Klappentext las, wusste ich, Florence muss eine faszinierende Frau sein, die genau weiß was sie will und was nicht. Diese Vermutung wurde auch gleich zu Beginn auf sehr humorvolle Weise bewiesen. Mir hat der Einstieg sehr gut gefallen, da wir einen guten Eindruck von Florences Werdegang, ihren Leistungen und Marotten bekommen. Außerdem lernen wir ihre Familienmitglieder kennen: ihren Sohn Daniel, seine Frau Janine und deren gemeinsame Tochter Emily. Mir hat am Anfang sehr gefallen, dass wir ihre jeweiligen Sichtweisen zu lesen bekommen und uns somit ein besseres Bild von Florence machen können, da jeder von ihnen seine ganz eigene Meinung zu ihr hat.

Charaktere | Dieser Roman ist stark von seinen Charakteren geprägt. Auch wenn man vom Titel zunächst denken würde, dass es sich nur um die Geschichte von Florence Gordon handelt, ist dem nicht so. Die Perspektiven wechseln immer wieder zu ihren Familienmitgliedern, die sich alle mit eigenen großen und kleinen Problemen rumschlagen müssen. Was ich schade fand, war das man durch die vier verschiedenen Charaktere, die man im Buch begleitet, keinen von ihnen so richtig kennenlernt. Es bleibt leider sehr oberflächlich. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn man sich auf Florence und Emily beschränkt hätte und die Beziehung der beiden näher ausgeführt hätte, anstatt sich noch mit Florence Sohn und seiner Frau zu beschäftigen. Ich konnte mir beim Lesen zwar ein Bild von Florence machen, hätte mir aber mehr Tiefe gewünscht.

Verlauf | Die Charaktere stehen alle an Wendepunkten in ihren Leben: Emily muss sich entscheiden, wie ihre Zukunft weitergehen soll, Janine hat ein Stipendium in New York bekommen und Daniel muss um seine Ehe kämpfen. Im Handlungsverlauf haben die Nebencharaktere meiner Meinung nach eine viel zu große Rolle eingenommen. Ich hätte mir stattdessen lieber mehr von Florence gewünscht - mehr Gedanken, mehr Tiefe. Leider kam das für mich zu kurz und die Rahmenhandlung um Janine und Daniel wurde für mich viel zu sehr aufgebauscht. Der Roman heißt schließlich "Das Leben der Florence Gordon". Die interessante Frau, die Brian Morton beschreibt, hat sicherlich noch viel mehr zu bieten gehabt: Geschichten aus ihrer Vergangenheit, ihre Entwicklung und die Beziehung zu ihrem Sohn und ihrem Exmann, aber auch die aktuellen Geschehnisse hätten intensiver ausgeführt werden können.

Fazit | Mir hat die Geschichte um Florence gut gefallen, auch wenn ich mir mehr von Florence gewünscht hätte. Beim Lesen wurde mir bewusst, wie viel diese Frau in ihrem Leben leistete und wie gerne ich von ihren jungen Jahren gelesen hätte. Demonstrationen, der Kampf für Gleichberechtigung, ihre Ehe zu ihrem jetzigen Ex-Mann Saul. Ich hatte wohl andere Erwartungen an diesen Roman, die nicht 100%ig erfüllt werden konnten. Dennoch bin ich innerhalb kürzester Zeit durch die Seiten geflogen und wurde auch gut von Florence Schlagfertigkeit unterhalten. Dennoch konnte mich dieser Roman mit seiner schlagfertigen Protagonistin, dem Humor, aber auch mit den emotionalen Momenten überzeugen. Das Ende hat die Geschichte auf ganz besondere Weise abgeschlossen

Welchen starken Frauen bist du zuletzt in einem Roman begegnet? Was hat sie für dich so besonders gemacht? Lass es mich in den Kommentaren wissen!:)

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