Freitag, 29. Januar 2016

"Das geheime Prinzip der Liebe" von Hélène Grémillon | Rezension


Hélène Grémillon schildert in ihrem Debütroman „Das geheime Prinzip der Liebe“, wie sich aus einer tiefen Freundschaft abgrundtiefer Hass entwickeln kann. Eine facettenreiche Geschichte, die einen bis zur letzten Seite im Dunkeln tappen lässt.

Verlag: Droemer Knaur Seitenanzahl: 256 ISBN: 978-3-455-81035-6 Erscheinungsdatum: 22.02.2012
Originaltitel: le confidente Übersetzerin: Claudia Steinitz


Inhalt | Camille ist gerade dabei die eingehenden Kondolenzkarten zu lesen, die ihr zum Tod ihrer Mutter zugesendet wurden, als sie einen ungewöhnlichen Brief von einem Louis, den Camille nicht kennt, entdeckt. Der Brief beginnt mit der Schilderung der Kindheit des Verfassers und seiner kindlichen Liebe zu einem Mädchen namens Annie. Was Camille am Anfang als ein Missverständnis abtut, entwickelt sich zu einer Routine. Regelmäßig treffen die Briefe des Unbekannten ein und Camille liest sie Woche für Woche mit großem Interesse. Allerdings entwickelt sich aus den anfänglich harmlosen Geschichten ein wahres Drama. Der Verfasser berichtet von Annie, die in jungen Jahren einen großen Fehler begeht, als sie ihr Elternhaus verlässt und in das Haus einer wohlhabenden Madame und ihrem Mann zieht. Zwischen Madame und Annie entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Als Madame in einem Gespräch von ihrem großen Kinderwunsch berichtet ist Annie fest entschlossen ihr zu helfen – sie bietet ihr an ein Kind für Madame auszutragen. Annie konnte nicht wissen, dass dieses Angebot in einem großen Drama enden wird.
 
Meinung | Dieser Debütroman von Hélène Grémillon hat mich unglaublich beeindruckt. Schon auf den ersten Seiten wurde ich von der Geschichte in den Bann gezogen und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zu Beginn fühlt man sich, ähnlich wie Camille, sehr ratlos was die Briefe angeht. Ich war sofort in der Geschichte gefangen, was zum Teil auch mit dem großartigen Schreibstil von Hélène Grémillon zu tun hat. Die Perspektive wechselt von Camille im Jahre 1975 zu Louis und Annie in das Paris der vierziger Jahre. Langsam verweben sich die Geschichten eindrucksvoll ineinander. Die Charaktere sind sehr facettenreich und man kann sich bis zum Schluss nie sicher sein woran man bei ihnen ist. Wir erleben nicht nur die Sicht von Annie, sondern später auch die von Madame. Diese tiefgründigen Einblicke in die Gedanken und Emotionen der beiden Frauen sind unglaublich gut gelungen. Die Situation in der beide durch Annies Schwangerschaft gekommen sind ist sehr dramatisch. Annie, die durch ein Versprechen ihr Kind für eine Andere austrägt muss damit zurechtkommen es nach der Geburt in die Hände einer von Madame abzugeben. Madame hingegen lebt in der ständigen Angst, Annie könnte es sich anders überlegen und mit ihrem Kind verschwinden. Schließlich ist es zur Hälfte das Kind von Annie und zur anderen das ihres Mannes. Man dringt in die Psyche der Frauen ein und kann auch wirklich nachvollziehen, warum ihre Freundschaft langsam in tiefen Hass überschlägt. Wir erleben durch die Perspektivenwechsel, was die Liebe mit den Menschen anrichten kann und in welche tiefen Abgründe sie einen fallen lässt.

„Kinder lachen aus der Brust heraus, wie ein Schrei, Erwachsene aus der Kehle, wie ein Seufzer, und wenn sie auf die Idee kommen, wie Kinder zu lachen, werden sie kalt angeschaut, damit sie sich beruhigen.“

Ich habe diesen Roman fast schon inhaliert, weil ich einfach wissen musste, wie die Geschichte weitergeht und was das alles mit Camille zu tun haben soll. Ich finde jedoch, dass der Titel dem Inhalt des Buches nicht ganz gerecht wird. Bei „Das geheime Prinzip der Liebe“ habe ich zunächst an eine leichte Geschichte über zwei Liebende denken müssen. Da ich aber bereits einen anderen Roman von Hélène Grémillon gelesen habe, konnte ich schon ahnen, dass es nicht so ist. Und mein Verdacht wurde bestätigt. Im Original heißt der Roman „Le confident“, was auf Deutsch „Der Vertraute“ bedeutet. Meiner Meinung wäre dies auch die bessere Titelwahl, da sie nicht so irreführend ist, wie „Das geheime Prinzip der Liebe“. Aber nichts desto trotz ist der Roman unglaublich ausdrucksstark. Durch die verschiedenen Perspektiven bekommt der Leser ein umfangreiches Bild vom Geschehen, bei dem einem vor Augen geführt wird, dass nichts so ist, wie man zunächst dachte.

Fazit: Sehr gut!  
 
Andere Bücher von Hélène Gremillon:

http://sundaystephie.blogspot.de/2015/03/rezension-in-zeiten-von-liebe-und-luge.html
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