Freitag, 19. Dezember 2014

"Bäume reisen nachts" von Aude Le Corff | Rezension

Klappenbroschur, 201 Seiten
ISBN: 978-3-458-36019-3  
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 19,50
Verlag: Insel Taschenbuch

Manon ist acht und musste schon viel Schlimmes durchleben. Ihre Mutter ging von einem Tag auf den anderen fort, ohne ein Wort des Abschieds. Manons Vater Pierre verfiel darauf in eine Depression und kann sich nicht einmal mehr aufraffen zur Arbeit zu gehen, geschweige denn vernünftig für Manon zu sorgen. So kommt es, dass Manon immer mehr auf sich alleine gestellt ist und sich auch zunehmend zurückzieht. An ihrem Lieblingsplatz unter der Birke im Garten kann sie ungestört ihren Gedanken nachgehen und Bücher lesen. Der pensionierte Nachbar Anatole sieht sich die kleine Manon immer wieder vom Fenster aus an, und stellt fest, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmt. Der ehemalige Lehrer versucht Manon wieder aus ihrem Schneckenhaus zu locken, indem er ihr Bücher vorliest, die sie aufmuntern sollen. Als eines Tages Briefe von der verschollenen Mutter bei allen eintreffen steht für Pierre fest: Er muss zu seiner Frau! 


Mehr zum Buch...

Die Handlung beginnt, als die Mutter Anaïs bereits mehrere Monate spurlos verschwunden ist. Manon fühlt sich alleine gelassen und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Mutter wieder in die Arme schließen zu können. Auch Pierre weiß überhaupt nichts mehr mit sich anzufangen und vernachlässigt seine Vaterpflichten zunehmend. Die Einsamkeit der beiden bleibt aber nicht lange unbemerkt. Sophie, die Tante von Manon und Schwester von Anaïs lebt im gleichen Haus und versucht immer wieder mit den beiden in Kontakt zu treten – erfolglos. Der Einzige, der einen Zugang zu der kleinen Manon findet ist Anatole. Er lebt im selben Haus, wie die anderen drei und hatte Anaïs zuvor nicht kennengelernt. Er erzählt sich mit ganz besonderen Geschichten vom kleinen Prinzen in Manons Herz. Als Briefe von Anaïs eintrudeln, in denen sie die Geschehnisse der letzten Monate schildert, sind alle ganz aufgeregt. Sie ist tatsächlich nach Marokko gegangen! Für Pierre steht fest, dass sie zu seiner Frau müssen. Am besten sofort! Alle vier machen sich auf den Weg in eine ungewisse Reise. Doch Pierre und Manon ahnen nicht, was Sophie durch ihren Brief erfahren hat: Anaïs ist nicht alleine nach Marokko gegangen...

Meine Gedanken zum Buch...

Der Klappentext konnte mich sofort für den Roman begeistern. Aber leider konnte sich meine Begeisterung nicht das ganze Buch über halten. Wir erleben den Handlungsverlauf aus den verschiedenen Perspektiven der vier Protagonisten. Dieser ständige Wechsel von Sichtweisen, gefiel mir persönlich gar nicht, weil es mich beim Lesen irritierte. Die Perspektivwechsel sind zum Teil auch fließend hintereinander geschehen, sodass man kaum Zeit hatte zu begreifen, mit welchem Charakter man nun die Situation erlebt.
Auch die Handlung wurde ab dem Reiseantritt sehr langatmig. Die vielen Beschreibungen der Umgebung und eingestreute Belehrungen von Anatole fielen mir überwiegend negativ auf. Der anfängliche Charme ist irgendwie verflogen und die Ernsthaftigkeit von Manons Situation gerieten in den Hintergrund. Ich hätte mir mehr bezaubernde Momente mit Manon gewünscht. Leider konnte mich das Ende auch nicht wirklich überzeugen. Mich konnte „Bäume reisen nachts“ leider nicht überzeugen. Das eigentlich ernste und tiefsinnige Thema eines einsamen Mädchens und die Sehnsucht nach ihrer verschwundenen Mutter gerieten leider in den Hintergrund.

Auch das Ende war leider nicht so, wie ich es mir für die Geschichte erhofft hatte. Es war viel zu vorhersehbar.
 
Der Roman hatte schöne und bezaubernde Momente, die Hoffnung schenken konnten und tiefsinnige Sätze, die verzaubern. Allerdings konnte es mich leider nicht überzeugen. Wirklich schade! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen